Wer ein Café eröffnen will, bekommt von jedem Equipment-Vertrieb hundertfach unterschiedliche Empfehlungen — alle 'optimal', alle deutlich überdimensioniert für seinen Bedarf. Hier ist ein ehrlicher Equipment-Guide basierend auf zehn Eröffnungen, die wir die letzten Jahre beraten haben.
Schritt 1: Welcher Café-Typ?
Bevor du irgendwas kaufst: Wie sieht dein Café-Tag aus? Drei Modelle bestimmen die Equipment-Wahl:
- Quartier-Café: 60–120 Tassen pro Tag, vor allem morgens und am Wochenende. Mittlerer Tresen-Stress.
- Coffee-to-go: 150–300 Tassen, hoher Stoßzeit-Druck (7–10 Uhr, 12–14 Uhr).
- Specialty-Café mit Filterkaffee: 80–150 Tassen, niedrigerer Espresso-Druck, aber mehrere Brüh-Methoden parallel.
Espressomaschine
Das teuerste Stück. Drei realistische Kategorien:
Einsteiger (4.000–7.000 €)
Zweikreisige Maschinen wie Quick Mill Aquila, Rancilio Classe 5, Astoria Pratic Avant. Reichen für Quartier-Café bis 120 Tassen/Tag. Servicierbar von vielen Werkstätten.
Profi (8.000–15.000 €)
Industriestandard: La Marzocco Linea, Nuova Simonelli Aurelia, Victoria Arduino Eagle One. Für 200+ Tassen täglich, sehr stabile Temperatur-Steuerung. Gebraucht ab 5.000 €.
Premium (15.000–30.000 €)
La Marzocco Strada, Slayer V3, Modbar. Für Specialty-Cafés mit experimentellem Anspruch (Druck-Profile). Schöne Optik. Schwer zu rechtfertigen wenn du nicht 300+ Tassen am Tag machst.
Unsere Empfehlung für die meisten Quartier-Cafés: La Marzocco Linea Mini (2-Brüh-Gruppen, ca. 7.500 € neu) oder gebrauchte Linea Classic. Die hat sich seit 30 Jahren bewährt, Ersatzteile gibt es überall, der Verkaufspreis nach 10 Jahren ist noch akzeptabel.
Mühlen — oft unterschätzt
Die meisten Café-Eröffner sparen an Mühlen — und ärgern sich danach jahrelang. Eine gute Espresso-Mühle ist wichtiger als eine gute Maschine. Realistisches Budget: 1.500–3.500 € pro Mühle.
Empfehlungen: Mahlkönig E65S GbW (3.500 €, on-demand mit Waage), Mythos One (3.000 €), Anfim Pratica (1.800 €). Wichtig: Konische oder Flachscheiben in mindestens 65 mm. Heim-Mühlen unter 1.000 € sind im Café-Betrieb innerhalb von Monaten überfordert.
Wenn du auch Filter-Kaffee machst: Zusätzliche Filter-Mühle (z. B. Mahlkönig EK43, 3.500 €). Espresso- und Filter-Mahlung auf einer Mühle ist im Profi-Betrieb unrealistisch.
Wasseraufbereitung
Berlin-Wasser zerstört Maschinen in zwei bis drei Jahren. Wasseraufbereitung ist Pflicht. Realistisches Budget: 600–1.500 € einmalig plus Filter alle drei bis sechs Monate.
Empfehlungen: BWT Bestmax oder Brita Purity für Standard-Bedarf. Wer's exakt einstellen will: Permeate-/Bypass-Systeme mit Wasser-Analyse vor Ort.
Sonstiges Tresen-Equipment
- Knock-Box (Espresso-Trester): 50–150 €
- Tamper (kalibriert, 58,4 mm): 80–200 €
- Distribution-Tool: 60–150 €
- Milchkännchen (3–5 Stück, 350–600 ml): 80–150 €
- Tassen-Trio (Espresso 60 ml + Cappuccino 150 ml + Latte 300 ml × jeweils 50 Stück): 800–1.500 €
- Brühwaage (Acaia Pearl oder ähnlich): 200–250 € pro Stück, drei Stück.
- Reinigungschemie (Cafiza, Rinza, Pulycaff): ca. 30 € monatlich
Kassen-System
Cloud-basierte Systeme wie SumUp, Vectron, Lightspeed K-Series sind im Café-Bereich Standard. Kosten: 60–200 € pro Monat plus 1,5–2,5 % Transaktionsgebühr. Initial-Hardware (Drucker, Tablet, Bondrucker): 800–1.500 €.
Möbel, Theke, Boden
Hochgradig variabel. Realistisches Budget für ein 60-m²-Quartier-Café: 15.000–35.000 €. Wer eine bestehende Café-Übernahme macht: oft deutlich weniger.
Realistische Gesamt-Kalkulation
Quartier-Café (60–80 m², 80–120 Tassen/Tag), schlüsselfertig:
| Posten | Budget |
|---|---|
| Espressomaschine (gebraucht, Linea Mini) | 5.000 € |
| 2× Mühlen (1× Espresso, 1× Filter) | 5.000 € |
| Wasseraufbereitung | 1.000 € |
| Tresen-Kleinkram (Tamper, Kännchen, Tassen) | 1.500 € |
| Kassen-System Initial | 1.000 € |
| Möbel + Bar (gebraucht) | 15.000 € |
| Renovierung | 10.000 € |
| Erste Kaffee-Lieferung + Verbrauch | 2.000 € |
| Anmeldungen, Versicherungen, Beratung | 3.000 € |
| Gesamt | 43.500 € |
Hinzu kommen Miete und Personalkosten als laufende Kosten — die rechnen wir hier nicht mit, weil sie stadtteilabhängig sind.
Wer eine seriöse Café-Eröffnung plant, sollte unsere Profi-Schulung in Erwägung ziehen — der fünfte Tag ist explizit ein Café-Eröffnungs-Workshop, mit Equipment-Beratung von Nicola (eigene Rösterei seit Jahrzehnten) und Rami (kennt jede Berliner Café-Maschinen-Werkstatt).
